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Bad Hersfeld - Die Kur- und Festspielstadt
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Neben der Altstadt Bad Hersfelds:
Die neue Wissens- und Erlebniswelt

Das Projekt

Webcam (Dietz Architektur)

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In der Stadtverordnetenversammlung am 7. Mai 2009 wurde mit beeindruckender Geschlossenheit ein Projekt auf den Weg gebracht, das das Bild der Stadt Bad Hersfeld in einem Zeitraum von nur 3 Jahren nachhaltig verändern wird. Das neben der Altstadt gelegene, stadtbildprägende Industriegelände, das die gründerzeitliche Stadtentwicklungs- und Industrialisierungsphase Bad Hersfelds dokumentiert, gibt es dann in der heutigen Form nicht mehr. An Stelle des heute komplett überbauten, ca. 5,5 ha großen Industriegebietes entsteht eine neue Parklandschaft mit vier großen, historisch wertvollen Backsteinbauten aus der Gründerzeit.

Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung zur Neugestaltung des Geländes unter Beibehaltung der historisch wertvollen Gebäudekomplexe mitten in der Kernstadt wird als Jahrhundertchance und als Beweis für die Zukunftsfähigkeit Bad Hersfelds verstanden. Zudem ist das Projekt in den Zeiten der Wirtschaftskrise ein lokales Konjunkturprogramm.

So sieht es heute aus

Das 55.000 m² große, stadtbildprägende Gelände gehörte ursprünglich der Benno Schilde Maschinenbau-Aktiengesellschaft, die seit 1885 u. a. Anlagen für die Tuchindustrie und später weltweit vertriebene Produkte der Luft- und Trocknungstechnik entwickelte und herstellte. Das Unternehmen firmierte ab 1995 als Babcock-BSH GmbH und wurde 2002 von der Grenzebach-BSH GmbH übernommen.

Die Nachnutzung einer ehemaligen Industriebrache im Herzen einer Stadt ist in dieser Form ein in Hessen bisher einmaliger Vorgang. Neben dem Stadtzentrum entsteht ein Gebiet mit völlig neuer städtebaulicher Qualität, das neben dem bereits umgestalteten und dafür ausgezeichneten Kurpark der Jahreszeiten der Stadt einen erheblichen Mehrwert verschafft. Damit erhält Bad Hersfeld neben den Festspielen und der Oper in der Stiftsruine ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von bundesweiter Bedeutung.

Dem Gremienbeschluss war ein 6-jähriger Planungsprozess vorangegangen, der zunächst die Bewerbung der Stadt um die Durchführung der Landesgartenschau 2014 zum Ziel hatte. Nach erfolgloser Bewerbung für die Landesgartenschau 2014 setzt die Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld mit der Umgestaltung dennoch das ehrgeizige Gestaltungs- und Nutzungskonzept in konsequent weiter entwickelter Form um. Die Umsetzung des Konzepts erfordert ein Investitionsvolumen von rd. 31,4 Millionen Euro. Ziel ist es, die Attraktivität der Stadt zu steigern und ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Damit verspricht sich Bad Hersfeld neben dem Imagegewinn und der weiteren Stärkung von Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel auch die Initiierung zusätzlicher gewerblicher und privater Folgeinvestitionen.

Die Nutzungsüberlegungen für die vier denkmalgeschützten Backsteingebäude wurden in einem umfangreichen Prozess schrittweise entwickelt. Ziel ist es, Angebote in der Stadt und in der Region so ergänzen, dass ein nachhaltiger Nutzen als Standort für die Kulturwirtschaft entsteht. Bei den Überlegungen wurden auch die Ergebnisse von Bürger-Workshops eingebunden. Interessierte Bürger hatten seit 2007 engagiert diskutiert und an der zukunftsorientierten Entwicklung mitgearbeitet, so dass die weitere Umsetzung der Maßnahmen nicht nur politisch legitimiert ist, sondern auch von einer breiten Bürgerschaft getragen und begleitet wird.

 

Der neue städtische Freiraum

Zunächst müssen 34 Gebäude mit ca. 190.000 Kubikmeter umbauten Raum und 22.000 Quadratmeter versiegelte Flächen innerhalb des Sanierungsgebietes „D" zurückgebaut werden. Dabei bleiben die eindrucksvollen denkmalgeschützten Bürogebäude und Fabrikationshallen, die Ende des 19. Jahrhunderts von renommierten Architekten aus Frankfurt am Main, Leipzig und Eisenach geplant und gebaut wurden, erhalten. Das Gelände wurde im Oktober 2006 durch die Kreisstadt Bad Hersfeld erworben. Mit dem Erwerb war die Umsiedlung der Firma Grenzebach-BSH auf einen neuen Standort in Bad Hersfeld verknüpft - ein weiterer Schritt zur erfolgreichen Förderung der einheimischen Wirtschaft.

Nach der logistischen Herausforderung des Rückbaus und der Flächenentsiegelung - verbunden mit einem abfalltechnischen Boden- und Schadstoffmanagement - entsteht auf der ehemaligen Industriefläche in unmittelbarer Nähe zur historischen Altstadt eine neue urban geprägte Mitte zwischen denkmalgeschützten Gebäuden.

 

Die Geis und die Freiflächen

Der Bachlauf der Geis, der heute auf einer Länge von rd. 430 m entweder naturfern oder vollständig überbaut ist, wird wieder freigelegt, naturnah gestaltet und gliedert das Areal. Er stellt eine neue Lebensader dar und gibt der städtischen Bevölkerung und Besuchern die Möglichkeit, innenstadtnah eine Wasserlandschaft zu erleben. An ihm entlang wird als Fortsetzung des Stiftsbereiches und der Leonhard-Müller-Anlagen ein neuer Grüngürtel mit unterschiedlichsten Facetten entstehen. Die Freiflächen werden teilweise mit Landschaftsbauwerken – sog. „Erdpyramiden" – gegliedert und eingefasst und so gegen Verkehrslärm abgeschirmt. Geplant ist, in Teilen Fassaden entlang der Straßen stehen zu lassen und Eingangs-Bereiche mit großflächigen Corten-Stahlelementen zu gestalten.

Die Freiflächen werden in 3 Kernbereiche unterteilt:

Der Stadtpark zwischen Wehneberger Straße und der Veranstaltungshalle wird offen gestaltet. Blumenrabatten und große Wiesenflächen schaffen einen Übergang zwischen dem attraktiven Jahn-Park und dem Kernbereich des Geländes.Eine Brückenverbindung zu dem Mehrgenerationen-Zentrum Dippelmühle wird hergestellt.

Die Plaza wird als zentraler Bereich zwischen dem Vlämenweg im Norden, der Dippelstraße im Süden, der Veranstaltungshalle im Westen und dem ScienceCenter im Osten definiert. Die Plaza ist die neue Mittelachse zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden und erlaubt erstmals den bislang verstellten Blick in alle Teile des Geländes. Die lange Industriegeschichte ist direkt ablesbar.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist das große Fontänenfeld, das durch aufwändig gestaltete Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität eingefasst wird. Die Bepflanzung wird Landesgartenschau-Qualität haben. Im Übergang zu einem rd. 180 Stellplätze fassenden Parkhaus mit innovativer, optisch spannungsgeladener Fassadengestaltung wird ein Wasserspielplatz für Kinder angelegt.

Spielerische Elemente der Wissens- und Erlebniswelt (vgl. unten) werden in die Gestaltung der Freiflächen einbezogen und weisen so auch im Außenraum auf die neue zentrale Nutzung hin. Eine große Freitreppenanlage ist ganzjährig mit Sonnensegeln überdacht, der Geisbach ist von einer großen Plattform aus erlebbar, von der aus man die Plaza überblicken kann.

Der östliche Teil des Geländes wird sich als Garten des Aufbruchs darstellen. Bei der Gestaltung des Geländes wird gezielt auf die bisherige industrielle Nutzung hingewiesen. Möglichst viele der derzeitigen Wege- und Hallenbeläge bleiben erhalten und werden mit geeigneten Baumanpflanzungen und verschiedenen kleineren Grünflächen durchsetzt – „Natur erobert Industrielandschaft". Gezielt sollen Materialien aus dem Rückbau (z.B. Backsteinmauerteile, Stahlträger) eingesetzt werden, um spannende Raumwirkungen zu erzielen und die Besucher neugierig zu machen. Ehrgeiziges Ziel wird sein, die größte Teilfläche des Babcock-Geländes mit einzelnen Attraktionen aufzulockern, Relikte aus der Industriegeschichte aufzunehmen und dabei dem Besucher die – zumindest hessenweit gegebene – Einzigartigkeit vor Augen zu führen.

 

Die Veranstaltungshalle


(Aus dieser Fabrik wird eine Veranstaltungshalle)

 

Die ehemalige Forschungs- und Entwicklungshalle mit ihrem 12 Meter hohen Mittelschiff, der Backsteinarchitektur mit markanter Pfeiler- und Fenstergliederung sowie den filigranen Eisenstützen ist ein beeindruckendes Beispiel für die Hersfelder Industriearchitektur und eignet sich hervorragend als Veranstaltungshalle. In ihr sollen bis zu 480 Zuschauer auf einer Tribüne Platz finden. Damit wird eine fehlende Angebotslücke für Räumlichkeiten in Bad Hersfeld geschlossen, was sowohl Optionen für zusätzliche kulturelle Veranstaltungsmöglichkeiten eröffnet als auch eine Spektrumserweiterung der Hersfelder Festspiele ermöglicht. Das Gebäude wird nach energetischer Modernisierung mit modernster Klimatechnik über eine in die Geis eingebaute Wärmetauscheranlage beheizt bzw. gekühlt. Schallschutzmaßnahmen sind ebenso berücksichtigt wie Auflagen des Brandschutzes. Die Veranstaltungshalle wird komplett verdunkelbar sein.

 

Bereits im Sommer 2010 soll die Veranstaltungshalle im Rahmenprogramm der Bad Hersfelder Festspiele temporär genutzt werden.

 

Das ehemalige Verwaltungsgebäude

Im Erd- und Zwischengeschoss sollen Ausstellungsflächen die Hersfelder Industriegeschichte entstehen, gegebenenfalls in Kombination mit einem Bistro. In den Obergeschossen des beeindruckenden Backsteingebäudes können je nach Nachfrage bis zu 30 Appartements angeboten werden – modernes Loftwohnen im Industriedenkmal!

 

Die Wissens- und Erlebniswelt (ScienceCenter)

Im südlichen Teil, der so genannten Stockwerksfabrik, einem herausragenden Denkmal der Industriegeschichte, wird auf einer Fläche von rund 2.500 m² ein weiterer wichtiger Baustein der Gesamtentwicklung, die sogenannte Wissens- und Erlebniswelt, umgesetzt.

Das Konzept greift mit Konrad Zuse und Konrad Duden zwei der bekanntesten Hersfelder Persönlichkeiten auf, die die Stadt mit ihrem Wirken über Jahre geprägt und weit über die Grenzen der Region bekannt gemacht haben. Die „Magie der Sprache“ wird als neue Kernattraktion mit den Themen Sprache und Kommunikation nicht nur in dieser Form in Deutschland einzigartig sein, sondern durch die Art und Weise der Umsetzung ein breites Publikum ansprechen. Wesentliches Ziel ist es, Bildung und Unterhaltung in einer neuartigen Form zu kombinieren und gleichzeitig die touristischen Angebote zu verbessern.

Spielerisch können sich die erwarteten 100.000 Gäste pro Jahr durch die sechs geplanten Erlebnisbereiche der Welt der Sprache begeben und auch im Außenbereich anhand abwechslungsreich gestalteter Exponate die Vielfalt der Sprache und Kommunikation auf neue Art und Weise erleben. Im Erdgeschoss wird neben dem Eingangsbereich zur Wissens- und Erlebniswelt, einem Shop und Vertiefungsangeboten auch eine Erlebnisgastronomie mit Außenbereich zur Plaza entstehen, die ein wichtiges verbindendes Element der neuen Angebote rund um den Wasserbereich und zur Innenstadt von Bad Hersfeld bildet. Jedem Gast wird somit die Chance gegeben, einen für sich einzig­artigen Besuch zu erleben und somit Bad Hersfeld auf eine besondere Art und Weise in Erinnerung zu behalten.

Die Wissens- und Erlebniswelt Bad Hersfeld spricht Familien mit Kindern, Schulklassen und Erwachsene gleichermaßen an. Neben den heutigen Gästen der Stadt, die vor allem aufgrund der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Attraktivität nach Bad Hersfeld reisen (Festspiele, Kurangebote, Kurpark etc.), werden aber auch gezielt neue Besucher durch die Attraktion sowie eine enge Anbindung an die bestehenden Angebote in der Stadt und wenn möglich auch der Region angesprochen.

Die von der namhaften Agentur Petri & Tiemann GmbH, Bremen und Hamburg, konzeptionell entwickelte Wissens- und Erlebniswelt wird September 2011 eröffnet. Sie markiert als Herzstück des Gesamtprojektes neben der angeschlossenen Bildungsstätte den Abschluss der Entwicklung des Babcock-Areals in östlicher Richtung

 

Die Bildungsstätte

In der nördlichen Stockwerkshalle wird ein Lern- und Kreativzentrum für moderne Denk- und Arbeitsmethoden eingerichtet. Dieses Zentrum kann von Firmen und öffentlichen Einrichtungen zur Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter auch angemietet werden. Gäste finden - vergleichbar zur Wissens- und Erlebniswelt - eine anregende Infrastruktur zum Lernen und Ausprobieren neuer Methoden und Instrumente vor und können diese für eigene Projekte testen.

Im ersten Obergeschoss soll weiterhin die überbetriebliche Lehrwerkstatt mit breit gefächerter Lehrlingsausbildung verbleiben. Das zweite Obergeschoss ist für die Berufsakademie Logistik am Standort Bad Hersfeld vorgesehen.

 

Das Parkhaus

Um dem entstehenden Stellplatzbedarf durch die neuen Nutzungen in den denkmalgeschützten Fabrikhallen entsprechen zu können, wird eine öffentliche Parkgarage entlang des Vlämenweges gebaut. Die Zu- und Abfahrt erfolgt ausschließlich vom Schillerplatz/Seilerweg. 180 Stellplätze stehen zur Verfügung, davon mindestens 10 für Behinderte. Von der Parkgarage gibt es einen direkten Zugang zum Gelände des ehemaligen Industrieareals.

Der vorliegende Architektenentwurf sieht vor, die Fassade mit Holz zu verkleiden. Ausrichtung und Neigung der Fassade sollen so erfolgen, dass eine optisch spannungsgeladene Ansicht entsteht, deren Erscheinungsbild sich im tageszeitlichen Verlauf der Lichtwirkung dynamisch verändern kann. Die Ansicht aus Richtung des Vlämenweges wird optisch aufwändig gestaltet.

Die Maßnahmenträger und die Projektbeteiligten

Maßnahmenträger der gesamten Außenanlagen mit Freilegung der Geis einschließlich Abbruch sowie Ver- und Entsorgung werden die Stadtentwicklungsgesellschaft Bad Hersfeld mbH und der Sanierungsträger Wohnstadt sein. Die Abbruchaktivitäten werden vom Mutterkonzern der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, der Nassauischen Heimstätte, Frankfurt/M., begleitet. Sämtliche Hochbaumaßnahmen werden von den Wirtschaftsbetrieben Bad Hersfeld GmbH durchgeführt.

Nach Fertigstellung aller Außenanlagen werden diese von der Stadt unterhalten.

Alle Gebäude einschließlich des Parkhauses werden von den Wirtschaftsbetrieben betreut. Des Weiteren wird geprüft, ob eine Kulturstiftung Bad Hersfeld zu gründen ist. Die Finanzierung des Gesamtvorhabens erfolgt bis in das Jahr 2012 durch Zuweisung in den städtischen Haushalten an die Stadtentwicklungsgesellschaft und die Wirtschaftsbetriebe. Bei der Stadt Bad Hersfeld verbleiben Investitionen, die mit maximal 23.645.000,00 Euro zu finanzieren sind. Daneben werden Zuschüsse des Landes Hessen im Rahmen des Konjunkturprogramms II und der Stadtsanierung sowie von Seiten der EU erwartet.

Der Sanierungsträger Wohnstadt übernimmt die Funktion des Finanzcontrollings, die Geschäftsführung der SEG und der Wirtschaftsbetriebe die Funktion der Projektkoordination.

 

Die Planer

Geisrenaturierung:

WAGU GmbH, Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie, Umweltplanung,

Geschäftsführer: Thomas Schmidt, Kirchweg 9 in 34121 Kassel

Außenanlagen:

Wette + Küneke GbR - Landschaftsarchitektur BDLA,

Dipl.-Ing. Wolfgang Wette, Kehrstraße 12 in 37085 Göttingen

Veranstaltungshalle, Zwischentrakt, Stockwerkshallen:

Architekten Kleineberg und Pohl,

Hamburger Straße 267 in 38114 Braunschweig

Parkhaus:

Architekt Frank Dorbritz, Eschenweg 4 in 36251 Bad Hersfeld

Altes Verwaltungsgebäude:

Architekt Norbert Klos, Dudenstraße 9 in 36251 Bad Hersfeld

Kontrollierter Rückbau:

PROKON GmbH, Frau Dipl.-Ing. Gabriele Lindner,

Langgasse 28 in 64409 Messel

Erschließung:

Ingenieurbüro Rinne & Partner GmbH, Herr Dipl.-Ing. Ralph Wagener,

Götzenbreite 7 in 37124 Rosdorf

Science Center:

Petri & Tiemann,

Geschäftsführender Gesellschafter Frank Müller-Wagner und

Frau Silke Petzold, Fahrenheitstraße 11 in 28359 Bremen

 

 

 

 

 

 


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