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07.07.2026

Meisterstücke und Missgeschicke: Bühne frei für 75 Jahre Festspielgeschichte

Bilderbeschreibung

Kleiner Vorgeschmack: Am Abend des 11. Juli werden die Mauern der Stiftsruine illuminiert. Foto: Eisenmann Visual Arts

 

Die Jubiläumsfeier steht bevor: Mit einem großen Fest feiern die Bad Hersfelder Festspiele am kommenden Samstag, 11. Juli 2026, ihr 75-jähriges Bestehen. Bürgermeisterin Anke Hofmann und Intendantin Elke Hesse freuen sich darauf, gemeinsam mit der Bevölkerung, Freunden und Gästen auf 75 Jahre Geschichte, Begegnung und Gemeinschaft zurückzublicken und dieses besondere Jubiläum gebührend zu feiern.

Neben einem kostenfreien abwechslungsreichen Programm für Jung und Alt folgt am Abend ab 20.30 Uhr die Aufführung „Meisterstücke und Missgeschicke“ in der Stiftsruine. Es gilt, 75 Jahre Bühnengeschichte zu feiern. Aber wie? Zahlreiche Dramen, Tragödien, aber auch Komödien und Musicals sah die Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine in diesen Jahren. Klassiker, Experimente, Uraufführungen mit großartigen Ensembles, diversen Regisseuren … und einem über all die Jahre treuen Publikum. Die Dramaturgin Stine Kegel schafft am kommenden Samstag das schier Unmögliche: In einer Art Revue fasst sie diese 75 Jahre in einem neuen Bühnenereignis zusammen: Ausschnitte, Zitate und Szenen werden von sechs Akteuren quasi en suite dargeboten. Da trifft Hamlet auf Faust, Wladimir und Estragon warten auf die Chorus Line und Maria Stuart schwingt für Evita die argentinische Flagge. Es wird ein einziges großes Cabaret!

Und die bunte Reihe ließe sich fortsetzen: Romeo zeigt Julia die West Side und König Lear…Es wird ein bunter Reigen, ein Rückblick mit Augenzwinkern. Stine Kegel und Oberspielleiter Michael Schachermaier erschaffen mit „Meisterstücke und Missgeschicke“ nicht nur Erinnerungen, sondern stellen die hohe Kunst des Theaters erneut unter Beweis. Wenige Akteure, kaum Änderungen an Bühnenbild und Kostüm und doch entsteht ein einzigartiges „Take out“, ein Zusammenschnitt der 75-jährigen Geschichte einer einzigartigen Spielstätte. Die Darsteller Bijan Zamani, Nils Hoeddinghaus, Anne Lebinsky, Markus Gertken, Laura Dittmann und Andrès Mendez lassen mit wenigen, kraftvollen Zitaten aus der Fülle der über die Jahre dargebotenen Theater-Vielfalt in Bad Hersfeld die Geschichte der Festspiele erscheinen. Und am Ende dieses Parforcerittes erstrahlt die „Hauptfigur“ der Bad Hersfelder Festspiele – die Stiftsruine selbst - in einem ganz besonderen Licht.

Für die Vorstellung „Meisterstücke und Missgeschicke“ gibt es Karten ab 29 Euro im Ticketshop der Bad Hersfelder Festspiele unter https://www.bad-hersfelder-festspiele.de/festival/rahmenprogramm

Lichtkunst zum 75. Geburtstag

Die Fassade der Stiftsruine wird an diesem Abend selbst zur Bühne. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens verwandelt eine aufwendig inszenierte Lichtshow das Gebäude in ein lebendiges Kunstwerk, das Architektur, Geschichte und Theaterhandwerk miteinander verbindet. Verantwortlich für die Illumination ist Medienkünstler Gregor Eisenmann aus Wuppertal, der für das Jubiläum eine kreative Projektion entwickelt hat.

Dabei geht es um weit mehr als spektakuläre Bilder auf einer Fassade. Eisenmann hat sich intensiv mit der Stiftsruine auseinandergesetzt, seine Geschichte erforscht und die besondere Architektur in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Für die Vorbereitung besuchte er das nebengelegene Museum, sichtete historische Exponate, fotografierte zahlreiche Objekte und sammelte mit 360-Grad-Kameras umfangreiches Bildmaterial. „Die Recherche zum Projekt hat mich tief in die Stiftsruine eintauchen lassen. Dabei sind viele Ideen entstanden – und noch mehr Material, das ich aufgenommen habe“, sagt der Künstler.

Aus dieser Recherche entstand zusätzlich zur reinen Illumination eine dramaturgisch aufgebaute, 20-minütige Lichtshow, die das Publikum in fünf Kapiteln auf eine Reise durch das Theater mitnimmt. Sie beginnt an der äußeren Hülle des Gebäudes: Kirchenfenster, Säulen und die markante Architektur werden durch Licht und Projektionen neu interpretiert. Schritt für Schritt führt die Inszenierung die Zuschauerinnen und Zuschauer ins Innere des Hauses und schließlich auf die Bühne. Wer die Stiftsruine kennt, wird dabei zahlreiche vertraute Details wiedererkennen.
Doch die Show blickt nicht nur auf das, was später auf der Bühne zu sehen ist. Auch die Arbeit hinter den Kulissen rückt in den Fokus. Kostümentwürfe erscheinen als gezeichnete Skizzen auf den Mauern, abstrakte Texturen erinnern an Stoffe und Materialien, und auch die Kunst der Maskenbildnerei findet ihren Platz. Statt realistischer Abbildungen setzt Gregor Eisenmann bewusst auf eine abstrakte Bildsprache, die Raum für eigene Assoziationen lässt. „Mein Anspruch war es, die besondere Geschichte des Gebäudes sichtbar zu machen – die Ruine als Teil seiner Identität zu zeigen, vor allem aber das 75-jährige Bestehen der Bad Hersfelder Festspiele künstlerisch zu feiern“, beschreibt Produzent Eisenmann die Idee hinter dem Projekt.

Auch musikalisch folgt die Inszenierung einer Entwicklung. Sie beginnt mit den warmen Klängen eines Cellos und klassischer Musik, bevor sie sich nach und nach zu elektronischen Klangwelten öffnet. So entsteht ein Spannungsbogen, der die visuelle Reise begleitet und Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.
Die eigentliche Show dauert rund 20 Minuten. Vor und nach der Inszenierung wird die Fassade der Stiftsruine mit wechselnden Motiven illuminiert und macht das Gebäude schon vor Beginn der Projektion zu einem weithin sichtbaren Blickfang. So wird das Jubiläum nicht nur gefeiert – es wird im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar.


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